Interview mit der Magdeburger Volksstimme – Die Parteigründung selbst und die Anfangsphase der AfD ist etwas, auf das ich stolz bin. Ich glaube, es ist notwendig, dass in einer Demokratie ab und zu mal neue Parteien gegründet werden. Und ich denke, ich habe alles mir Mögliche getan, um die Partei auf dem Kurs zu halten, auf dem sie eigentlich sein sollte. Man hat mich deshalb in der AfD sogar als Autokraten beschimpft. Aber eine Partei muss demokratisch sein, und wenn andere kommen, können sie die Suppe versalzen, sobald sie die Mehrheit haben. Mich schmerzt es natürlich, dass die Partei so für ganz andere politische Ziele missbraucht wurde.

Die Allianz für Fortschritt und Aufbruch ordnet sich im politischen Spektrum überwiegend sozialstaatlich und liberal-konservativ ein. Wir bejahen ausdrücklich den Sozialstaat und die soziale Marktwirtschaft. Wir schlagen zum Beispiel einen nationalen Rentensicherungsfonds vor, den wir aus Steuermitteln ansparen wollen. Die FDP würde bei so einem Vorschlag im Sechseck springen, aber wir denken, dass das die soziale Aufgabe des Staates zur Absicherung von Geringverdienern oder erziehenden Müttern und Vätern ist.

Mittel- und langfristige Probleme werden von den Etablierten schön geredet

Wir haben in Deutschland eine ganze Reihe von mittel- und langfristigen Problemen, die von den etablierten Parteien bagatellisiert oder schön geredet werden. Erstens die Euro-Krise, die alles andere als tot ist. Man kann das an den Negativzinsen und an den Schwierigkeiten der Banken sehen. Oder daran, dass die Arbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern hoch bleibt und dass der Euro-Raum so schlecht wächst wie kein anderer der großen Wirtschaftsräume.

Zweitens laufen wir auf eine große Rentenkrise zu, weil in 20 bis 30 Jahren fast die Hälfte der Rentner an oder unterhalb der Armutsgrenze leben wird. Kein Mensch spricht mehr über diese Problematik und das kann doch eigentlich gar nicht sein.

Was mir auch große Sorgen macht, ist die Bildungspolitik. Die Studierfähigkeit der Studenten nimmt kontinuierlich ab, wir müssen viel mehr tun, um vom Pauk-Studium wegzukommen und selbstständiges Denken zu fördern. Die Hauptschule ist ruiniert worden, und bei Realschulen oder Oberschulen geschieht derzeit dasselbe. Viele Betriebe klagen darüber, dass die Lehrlinge einfache Grundfertigkeiten nicht mehr haben. Was soll aus Deutschland werden, wenn das so weiter geht?

Viele Leute suchen ein wählbare Partei

Wir möchten natürlich gerne in den Bundestag kommen. Viele Leute suchen ja eine wählbare Partei, weil sie kein Vertrauen zu den Altparteien haben und die AfD weit nach rechts abgedriftet ist. Wie erfolgreich wir sein werden, wird stark von der politischen Entwicklung abhängen, die wir nicht in der Hand haben. Die enorme Dominanz der Flüchtlingskrise in den letzten Monaten war für uns natürlich nicht hilfreich. Denn einerseits wollen wir keine Stimmung gegen Flüchtlinge machen, andererseits ist für andere Themen praktisch keine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Ich hoffe aber sehr, sowohl im Interesse unseres Landes als auch im Interesse der Allianz für Fortschritt und Aufbruch, dass der Zustrom von Flüchtlingen bald beendet ist. Die nächste große Herausforderung ist dann die Integration, und das ist ein wirtschafts- und sozialpolitisches Thema, wo die Allianz für Fortschritt und Aufbruch besonders hohe Kompetenz mitbringt.