Im Internet wird das Gerücht* verbreitet, Dorothea und Bernd Lucke betrieben eine Beraterfirma, die „Geschäfte mit Arabern“ und insbesondere einem saudi-arabischen Wahhabiten machen würde. Das ist falsch.

Richtig ist:

Die Lucke Consult – die schon seit Jahren nicht mehr aktiv ist – hat nie irgendwelche Aufträge aus dem arabischen Raum erhalten. Sie hat ausschließlich wissenschaftliche Studien ausgeführt, die von der EU über das FEMISE-Netzwerk finanziert worden sind. Dazu zählt auch die oben zitierte. Die Forschungen befassten sich auch nicht mit Saudi-Arabien sondern mit Syrien, Jordanien und dem Libanon. Dass bei solchen Studien auch arabische Wissenschaftler einzubinden sind, ist eine Vorgabe der EU. Herr Prof. Alkswani ist kein Wahhabit, sondern ein völlig weltlich orientiertes Mitglied des FEMISE-Netzwerks und ein in der arabischen Welt anerkannter Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Syrer, keine Saudi. Im übrigen lehren an saudischen Universitäten auch etliche westliche Wissenschaftler. Die Saudis zahlen nämlich sehr gute Gehälter, um aus der ganzen Welt gute Wissenschaftler an ihre Universitäten zu kriegen. Es ist durchaus sinnvoll, in Länderstudien des arabischen Raumes auch arabische Wissenschaftler einzubinden.

 

* Das Gerücht:

Bernd und Dorothea Lucke – und ihre Geschäfte mit Arabern

Luckes Frau führt eine Beraterfirma namens „Lucke Consult“, wo sie als Mitautorin auf einer (vermutlich hochbezahlten) Studie zum Thema „Fiscal Impact of Trade Liberalization: The Case of Syria“ an dritter Stelle als „Dr. Dorothea Lucke Consult, Winsen, Germany“ erwähnt wird. An dieser Studie wirkten insgesamt fünf Autoren mit, wovon ein gewisser „Prof. Dr. Bernd Lucke, University of Hamburg, Germany“ an vorderster Stelle genannt wird. An zweiter Stelle unter den fünf genannten Mitautoren dieser Studie findet sich ein Wissenschaftler aus Saudi-Arabien: „Prof. Dr. Mamdouh Alkhatib Alkswani, King Saud University, Riyad, Saudi Arabia“. Bei diesem Herrn dürfte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen saudischen Wahhabiten handeln, da der Wahhabismus – eine besonders radikale, rückwärtsgewandte und intolerante Schule des Islam – in Saudi Arabien beheimatet ist und dort Staatsreligion ist. Kennzeichnend für den Einfluss der Wahhabiten sind unter anderem folgende Praktiken im öffentlichen Leben: Verbot des Autofahrens für Frauen Verbot für Frauen, sich in der Öffentlichkeit mit fremden Männern zu zeigen, öffentliche Scharia-Strafen wie Hinrichtungen und Auspeitschungen, Verbot der freien Religionsausübung. Lange Zeit waren uneingeschränkt Musik und Fernsehen verboten. Als Hochburgen der Wahhabiten im heutigen Saudi-Arabien gelten Riad und Buraida. Eben dort lehrt der besagte Prof. Dr. Mamdouh Alkhatib Alkswani.