Bundesbankchef Jens Weidmann hat Lohnzuwächse von rund drei Prozent als der wirtschaftlichen Lage in Deutschland für angemessen bezeichnet. Ich bin sehr erstaunt, dass die Bundesbank neuerdings den Tarifparteien Ratschläge gibt. Dies ist weder mit ihrer Neutralität noch mit der Tarifautonomie vereinbar.

Die Äußerung der Bundesbank liegen auf einer Linie mit der Auffassung der Europäischen Union, dass Deutschland nach dem Fiskalpakt verpflichtet sei, seine Wettbewerbsfähigkeit zu vermindern, um die hohen Leistungsbilanzüberschüsse abzubauen. Man sieht hier sehr klar, dass eine Europäische Wirtschaftsregierung faktisch schon Wirkung entfaltet und dass diese Wirkung nicht zum Vorteil der deutschen Exportindustrie ist.

Eine Lohnsteigerung ist angemessen, wenn sie den Zuwachs der Arbeitsproduktivität und die zukünftige Geldentwertung ausgleicht. Wichtig ist, dass es um die zukünftige Inflationsrate geht, also die Inflation im Zeitraum, für den der Tarifvertrag geschlossen wird. Weidmann hat aber die Inflationsrate in seiner Interviewäußerung wohl vor dem Hintergrund historischer Werte viel zu hoch angesetzt, denn derzeit sind wir weit von 2 Prozent Inflation entfernt. Für 2014 beträgt die Inflationsrate aktuell 1,1 Prozent und dies mit fallender Tendenz. Der Juli-Wert liegt nur noch bei 0,8 Prozent. Damit muss auch in Deutschland eher eine Deflation als eine Inflation von 2 Prozent befürchtet werden.