Wolfgang Schäuble befindet sich spiegelbildlich in der gleichen Situation wie Alexis Tsipras: Er wirbt im Parlament für einen Plan, von dem er nichts hält. Seine Glaubwürdigkeit ist ramponiert. Deshalb ist es nicht nur Zeit für einen Grexit, sondern auch für einen Schäuxit.

Die Glaubwürdigkeit Schäubles ist schon seit langem ramponiert. Erst gehörte er zu denen, die versprachen, Deutschlands Euro-Beitritt würde nie dazu führen, dass Deutschland für fremde Schulden haften müsse. Dann wurde dieses Versprechen bei erster Gelegenheit vom Tisch gewischt. Für drei Jahre, so beteuerte Schäuble 2010, müsse man Griechenland helfen – und dann sei Schluss. Aber tatsächlich wurden aus drei Jahren fünf und aus einem Rettungspaket zwei, und das zweite Rettungspaket musste aufgestockt werden, denn sonst hätte man es das dritte nennen müssen. Zwischendurch wurden Griechenland 100 Milliarden Euro Schulden erlassen, und die Zinszahlungen ausgesetzt und die EZB musste in großem Stil griechische Staatsanleihen kaufen, weil sie sonst niemand haben wollte. Nur von dem von Schäuble versprochenen Wachstum in Griechenland ist bis zum heutigen Tag nichts zu sehen.

Es kann auch sein, dass sich doch die Erkenntnis durchsetzt, Griechenland werde nur mit einer eigenen Währung wieder Tritt fassen. Aber beides wäre eine Blamage für Schäuble. Beides liefe allem zuwider, was der Finanzminister in den letzten Jahren politisch und ökonomisch vertreten hat. Und da Herr Schäuble dies alles weiß und kommen sieht, spricht er jetzt offen über einen Schäuxit. Es wäre höchste Zeit. Für den Schäuxit und für den Grexit. (Und das schreibt jemand, der gerade einen Luxit hinter sich hat.)

Gastbeitrag im Focus