„Das griechische Rentensystem ist in einer hoffnungslosen Lage. In Griechenland stehen 2,5 Millionen private Arbeitnehmer rund einer Million Beamten und Arbeitnehmern in staatlichen Gesellschaften sowie 2,7 Millionen Rentnern gegenüber“, erklärt Prof. Bernd Lucke, Mitglied des EU-Parlaments und Vorsitzender der Allianz für Fortschritt und Aufbruch. Das bedeute 2,5 Millionen Menschen erwirtschaften einen Mehrwert im Privatsektor und müssen davon, durch Steuern und direkte Beiträge, Transfers an fast 4 Millionen Anspruchshalter leisten.

Selbstverständlich haben diese 2,5 Millionen von ihrem durchschnittlichen Monatsgehalt von 1.243 Euro noch ihre Familie zu unterhalten sowie für ihre eigene Rente vorzusorgen. „Ein mathematisches Rätsel, welches Griechenland durch Staatsfinanzierung zu lösen weiß. Aktuell werden 60% der Rentenzahlungen durch die öffentliche Hand geleistet“, so Lucke. Das sei nur durch die billigen ESM-Kredite möglich, andernfalls wäre das griechische Rentensystem schon völlig zusammengebrochen. „Ein Land, in dem jeder zweite junge Erwachsene ohne Arbeit ist, betreibt weiter Raubbau an zukünftigen Generationen.“

Syriza komme wegen des Widerstands der Bevölkerung bei der Rentenreform nicht voran. Aber auch die sogenannte Quadriga als Nachfolgerin der Troika sei seit Oktober im Verzug, die Reformfortschritte für die europäischen Gläubiger zu bewerten. Selbst Christine Lagarde, die Chefin des IWF, sieht die Reformbereitschaft der Griechen realistisch und dringt jetzt wieder auf einen Schuldenschnitt. „Es ist jedoch völlig klar, ein Schuldenschnitt wie 2012 bringt überhaupt nichts. Nur ein gleichzeitiger Austritt aus dem Euro und dadurch ein Wiedergewinn der Wettbewerbsfähigkeit kann die Griechen wirklich weiterbringen. Die griechischen Bürger verlieren nicht nur das Vertrauen in ihre Parteien, sondern auch in Europa“, betont Lucke.

Brüssel, 2. März 2016