Interview mit der Huffington Post: Die Buhrufe auf dem Parteitag in Essen, die Pfiffe, das höhnische Gelächter als ich in meiner Rede islamfeindliche Äußerungen kritisierte, als ich den Begriff der Pegida-Partei zurückwies, als ich auf das Elend in den Flüchtlingslagern in der Türkei und in Jordanien hinwies – da war mir endgültig klar: Die AfD ist nicht zu retten.

Das kam ja nicht ganz überraschend. Diese Strömung gab es seit längerer Zeit und sie hat mehr und mehr Zulauf bekommen. Ich habe immer dagegen angekämpft, zunächst parteiintern und in den letzten Monaten auch öffentlich. Bis zum Schluss glaubte ich, dass das nur eine laute Minderheit ist, und dass die stille Mehrheit der Mitglieder einen gemäßigten Kurs stützt. Aber da habe ich mich geirrt.

Das war sehr schmerzhaft. Ich hatte ja immerhin mehr als drei Jahre meines Lebens dafür geopfert, sie aufzubauen. Und dann zu sehen, dass die Mitglieder mit fliegenden Fahnen zu Leuten wie Frauke Petry überlaufen, die nur mit billigen Parolen daherkommen, das tat weh.

Petry hat politisch eine riesige Fehlentscheidung getroffen, indem sie mit dem rechten Rand paktiert hat, um die Macht ergreifen zu können. Und leider waren ihre Bundesgenossen von rechtsaußen ja auch deutlich mehr als nur ein Rand. Weil sie mich verdrängen wollte, hat sie es in Kauf genommen, dass der gesamte moderate Teil die Partei verlässt. Jetzt hat sie niemanden, auf den sie sich stützen kann, um den rechten Flügel in die Schranken zu weisen. Falls sie das überhaupt will.

Die ursprüngliche AfD ist tot und sie führen jetzt eine Art Zombie-AfD. Wenn die in der Erfolglosigkeit verschwindet, würde ich schon etwas wie Genugtuung empfinden.

Gleichzeitig tut es mir aber leid um die verbliebenen vernünftigen Mitglieder, die soviel Kraft und Zeit und Geld in die Partei gesteckt haben und dann erkennen müssen, dass das alles umsonst war. Wenn die denselben Schmerz erleiden müssen, den ich empfunden habe, kann ich keine Genugtuung empfinden.

Das Interview auf huffingtonpost.de