Nach dem Drama der Flüchtlingskrise folgt nun die Posse um Erdogan. Dass ein ausländisches Staatsoberhaupt Regierungsvertreter eines anderen Landes einbestellt, wenn ihm eine Satiresendung nicht passt, zeigt, wie wenig Erdogan mit Konzepten wie Pressefreiheit anzufangen weiß. Und dies wird ja dadurch bestätigt, wie er im eigenen Land mit missliebiger Presse umspringt. Dass dies mit westlichen Werten und gar mit einer Mitgliedschaft in der EU unvereinbar ist, sollte die deutsche Regierung dem türkischen Staatspräsidenten in aller Freundschaft unmissverständlich klar machen.

Es ist schlecht, dass wir uns in der Flüchtlingskrise von der Kooperationsbereitschaft der Türkei abhängig gemacht haben. Aber jedes Geschäft mit der Türkei muss seine Grenzen da haben, wo unsere Grundwerte in Frage gestellt werden. Dazu zählt natürlich die Pressefreiheit. Dazu zählt aber auch das Recht der Kurden, sich friedlich zu versammeln, frei ihre Meinung zu verbreiten und demokratisch ihre Vertreter zu bestimmen.

So bemerkenswert die wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte in der Türkei sind, so besorgniserregend ist die Abkehr von westlichen Werten für ein Land, das auf eine lange Freundschaft mit Deutschland zurückblickt und eine wichtige Brückenfunktion zwischen Europa und der islamischen Welt einnehmen könnte.