Beitrag im Focus: Was wird passieren, wenn Flüchtlinge in sechs- oder siebenstelliger Anzahl in diesen Markt drängen? Diese Menschen wollen arbeiten und sie schrecken auch vor schlechten Arbeitsbedingungen nicht zurück. Gewiss, Sprachkenntnisse und Berufsqualifikation sind anfangs dürftig, aber man muss nicht viel können, um einen Gabelstapler zu fahren oder Hilfsdienste auf dem Bau zu leisten oder in Hotels und Altenheimen die Zimmer frisch zu machen.

In derartigen Tätigkeiten wird ein großer Verdrängungswettbewerb einsetzen. Das trifft die Schwächsten in unserer Gesellschaft – gerade die, die ohnehin nur mit Mühe ihr Auskommen verdienen. Die Zuwanderer stoßen in eine neue Welt und in dieser Welt sind es die sozial Schwachen, die dem Stoß ausgesetzt sind. Sie sind die Knautschzone unserer Gesellschaft.

Kluft zwischen Gering- und Gutverdienern wird sich vertiefen

Die Flüchtlinge konkurrieren mit den Einheimischen um die Arbeitsplätze, die es eben schon gibt. Das führt zu dort Lohndruck, wo die Löhne sinken können, und es führt zu Arbeitslosigkeit da, wo die Flüchtlinge Arbeit finden.

Wir dürfen uns auch keine Illusionen darüber machen, dass die Einkommensspreizung zunehmen wird. Die Ungleichheit wird wachsen. Der Markt für billige Wohnungen in einfacher Lage ist ebenfalls „eng“. Das Angebot ist überschaubar und wird kaum schnell zunehmen. Nachfrageseitig aber drängen die allermeisten Flüchtlinge in genau diesen Markt. Natürlich werden die Mieten für billigen Wohnraum steigen, was sonst?

Und es trifft wieder die sozial Schwachen unserer Gesellschaft. Der grüne Yuppie in der modernisierten, lichtdurchfluteten Dachgeschosswohnung spürt nichts davon. Er wird weiter das Meinungsklima der Willkommenskultur befeuern. Er hat gut reden. Andere, die nicht so gut reden können, werden das ganz anders sehen.

Die Ungleichheit in Deutschland wird also zunehmen. Und deshalb werden Steuern, Sozialabgaben und Sozialausgaben steigen. Denn politisch wird man auf zunehmende Ungleichheit mit Einkommensumverteilung reagieren. Dann werden die Mittelschicht und die Besserverdienenden erstmals selbst betroffen sein.

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