Griechenland sollte geordnet aus der Eurozone ausscheiden. Jetzt aber droht ein „Graccident“, kein geordneter, sondern ein chaotischer Ausstieg – und das kann Probleme geben.

Wenn der griechische Staat zahlungsunfähig wird, sind auch die Staatsanleihen wertlos, die noch bei den griechischen Banken liegen. Und ohne Pfand können diese sich nicht bei der EZB refinanzieren. Damit folgt automatisch der Zusammenbruch.

Man kann einen Austritt Griechenlands aus dem Euro so vorbereiten, dass die Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung möglichst gering bleiben. Dazu muss die Regierung die Guthaben der Griechen in Euro garantieren und parallel dazu damit beginnen, Gehälter nur noch in Drachmen auszuzahlen. Schließlich ist es nicht möglich, alle Geldautomaten über Nacht umzurüsten. Womöglich muss der Schritt eine Zeitlang durch Kapitalverkehrskontrollen ergänzt werden. Nichts anders war es nach der Einführung des Euro.

Dass es den Deutschen bei einer Auflösung des Euro mit der D-Mark dann so wie den Schweizern gehen könnte, die derzeit unter der schlagartigen Aufwertung des Franken leiden, sehe ich anders. Die Schweizer hätten es einfacher, wenn es den Euro nicht gäbe. Deren Problem war, dass der Euro so weich ist.

Im „Rat der Weisen“ haben vier von fünf Volkswirten für den Grexit gestimmt. Die Begründung lautete, dass der Euro womöglich gestärkt würde, wenn einmal konsequent gehandelt würde. Wer die Griechen durchschleppen will, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall. Denn wenn wir ein Land dauerhaft durchschleppen, wollen andere Länder bald auch durchgeschleppt werden.

Ich sehe keinerlei Vorteile in der Gemeinschaftswährung: Der Euro stiftet keine Identität; Europa ist nicht wichtiger geworden durch den Euro; Währungsrisiken sind nicht gesunken, denn Hedging kann dieses Risiko für die Unternehmen fast komplett eliminieren. Vor dem Euro hatten wir Konvergenz in Europa: Die armen Länder sind schneller gewachsen als die reichen. Jetzt ist das anders. Der Euro und die niedrigen Zinsen zu seiner Rettung belasteten die Wirtschaft: Keine Wirtschaftsregion wächst so langsam wie die Eurozone.

Es ist daher an der Zeit, den Euro endlich aufzulösen – geordnet.