Man kann von einem Altkanzler nicht erwarten, dass er scharfe Töne gegen seine Nachfolgerin anschlägt. Aber Helmut Kohl wies immerhin darauf hin, dass Europa nur dem kleineren Teil der Millionen Flüchtlinge „übergangsweise“ eine neue Heimat bieten könne. Das ist freilich eine Binsenweisheit, die nur deshalb eine gewisse Brisanz enthält, weil die Bundesregierung darauf insistiert, dass es keine Obergrenze gebe. Kohl sieht das offenbar anders. Schade, dass er nicht den Vorschlag der Allianz für Fortschritt und Aufbruch einer atmenden Obergrenze lobend hervorgehoben hat.

Aber sonst nur das Gewohnte von Kohl. Die Lösung all unserer Probleme heißt auch bei ihm stets „Mehr Europa“. Der Gedanke, dass „Mehr Europa“ sowohl in der Währungspolitik als auch in der Flüchtlingspolitik zu großen Krisen geführt hat, scheint ihm nicht zu kommen. „Der Kurs ist der richtige und nun Volldampf voraus!“ sagte Kaiser Wilhelm II einst. Wohin das geführt hat, ist weidlich bekannt.

Wir sollten den Kurs korrigieren, ehe die nächste Krise kommt