Die Wähler haben 2013 keinen grünen Bundeskanzler gewählt. Aber den größten Applaus erhält Angela Merkel inzwischen von rot-grün. Claudia Roth kommt geradezu ins Schwärmen, wenn sie auf die Haltung der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise angesprochen wird. Sigmar Gabriel bietet Merkel offen Asyl in der SPD an und auch die Linkspartei zollt Merkel großen Respekt in der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Ganz anders dagegen die eigene CDU-Parteibasis: Viele Mitglieder sind in wachsendem Maße unzufrieden mit der Politik der Kanzlerin und schlucken eine Kröte nach der anderen.

Doch wenn Angela Merkel ihre Partei programmatisch nicht mehr repräsentiert, dann muss sie konsequent sein und die Partei verlassen. Am besten passt sie zu den Grünen.

Angela Merkel ist ihrer Partei weitgehend entfremdet. Bei der Energiewende sind die massiven Subventionen von mehr als 1000 Milliarden Euro mit den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft eines Ludwig Ehrhard nicht vereinbar. Ebenso trifft das auf die Einführung von Mindestlöhnen zu. Die Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum sowie die milliardenschwere Rettung Griechenlands auf Kosten der deutschen und europäischen Steuerzahler widersprechen sämtlichen CDU-Versprechen in der Währungs- und Fiskalpolitik. Die Nivellierung von Bildungsniveaus in Schulen und Universitäten sowie die schleichende Auflösung des gegliederten Schulsystems stehen im Gegensatz zu den bildungspolitischen Prämissen der CDU. Die doppelte Staatsbürgerschaft und die praktisch unbegrenzte, meist unqualifizierte Zuwanderung sind genau das Gegenteil dessen, was Merkel noch vor wenigen Jahren versprochen hatte.

Auffällig ist, wie viele programmatische Anleihen Merkel von den Grünen bezieht: Energiewende, Mindestlohn, Schuldenvergemeinschaftung, doppelte Staatsbürgerschaft und eine theatralische Flüchtlingspolitik inklusive Selfies und naiver „Wir schaffen das“-Lyrik. Das Drehbuch hätte Claudia Roth nicht besser schreiben können. Die Grünen dürften sich sehr wohl mit ihrer heimlichen Parteivorsitzenden fühlen.