Bei Schäuble klaffen Schein und Sein weit auseinander. Tatsächlich hat er auf ganzer Linie versagt. Deadlines und rote Linien wurden von Griechenland mehrfach missachtet, ohne dass es Konsequenzen gegeben hätte. All das Gerede vom Grexit erwies sich als leicht durchschaubarer Bluff. Griechenland hat es geschafft. Es bleibt im Euro und es erhält ein drittes Hilfsprogramm, obwohl es das zweite Hilfsprogramm nicht erfolgreich abgeschlossen hat. Schäuble ist völlig eingeknickt.

Deutschen Interessen entspricht das europapolitische Handeln von Herrn Schäuble schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Unsere Entscheidungsspielräume werden immer mehr eingeengt und wir geraten immer mehr in die Rolle des europäischen Zahlmeisters. Erklärbar ist das nur durch Schäubles persönlichen Ehrgeiz. Vielleicht will er als bedeutender Architekt der europäischen Einigung in die Geschichtsbücher eingehen. Denn er befördert ja das Entstehen eines zentralisierten europäischen Bundesstaates. Das aber widerspricht dem Erfolgsmodell Europas als Bund souveräner Staaten. Die EU war in den ersten vierzig Jahren ihres Bestehens nur deshalb so erfolgreich, weil deren Mitgliedsstaaten ihre Selbständigkeit erhalten haben und im Wettbewerb zueinander standen.

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