Die AfD-kritische Analyse der US-Ratingagentur Standard & Poor’s sehe ich als Aufforderung an die Europäische Zentralbank, ihre Krisenpolitik zu überdenken.

Dass der Aufschwung der AfD in Wahlen und Meinungsumfragen zu einer Verschlechterung der Ratings für Staatsanleihen führen kann, zeigt, dass die Probleme der Euro-Zone bislang nur mit rosa Soße zugekleistert worden sind. Denn wenn die Euro-Krise bewältigt wäre, dürften Zehn-Prozent-Ergebnisse der AfD bei Landtagswahlen wirklich keinerlei Auswirkungen auf die Bonität von Staatsanleihen haben. Tatsächlich sind die Staatsschulden heute aber viel höher als vor der Krise, und die südeuropäischen Staaten leiden unter Armut und Arbeitslosigkeit, weil sie ihre Währungen nicht abwerten können.

Draghi hat diese Woche vor dem Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments die Hoffnung geäußert, dass die „massive Geldschöpfung“, die die EZB mit ihren jüngsten Maßnahmen beabsichtige, als nicht unbeabsichtigter Nebeneffekt zu einer Euro-Abwertung führe. Das ist viel zu kompliziert gedacht, denn Herr Draghi braucht dafür gar keine Billion Euro an Geld zu drucken. Wenn die Kapitalmärkte die AfD so sehr mit Argusaugen beobachten, ließe sich die erwünschte Euro-Abwertung schon dadurch erreichen, dass Herr Draghi beim nächsten AfD-Parteitag ein Grußwort spricht.