Griechenlands heute fällige Rückzahlung seines umgerechnet knapp 450 Millionen-Euro-Kredits an den Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ein Auftakt zu einer Tilgungsspirale, die sich bis zum Sommer immer schneller dreht und an deren Ende der Grexit droht.

Anstatt den mutigen Schritt eines Schuldenschnitts zu wagen und somit Griechenland die Chance eines Neustarts aus eigener Kraft zu geben, wird der Tanz ums goldene Euro-Kalb fortgesetzt. Und diesen finanzieren Europas Bürger: Leidtragende sind die griechische Bevölkerung sowie der deutsche Steuerzahler und Sparer.

Mit den zweistelligen Milliarden-Forderungen durch IWF, EZB und privaten Gläubigern allein bis Ende August werden gigantische Summen bewegt, die letztendlich aber nur den Stillstand in Europa zementieren. Anstatt die Chance eines geordneten Rückzugs Griechenlands aus dem Euro zu ergreifen, riskieren die Euro-Ideologen lieber den Grexit. Statt einzugestehen, dass der Euro ein Fehler war, beharrt die EU auf Reformen, die Griechenland seit fünf Jahren nicht umsetzen kann und auch nicht umsetzen will. An einem griechischen Volk, das den Wiederaufbau seiner Wirtschaft selbst in die Hand nimmt, besteht bei Merkel und Co offenbar kein Interesse. Vermutlich fürchtet Frau Merkel, dass Griechenland sich ohne Euro schnell erholt und damit auch andere Krisenstaaten den Euro verlassen wollen.

Deren blindes Motto „Weiter so!“ schnürt den Menschen in Nord- wie Südeuropa die Luft ab. Dies zeugt nicht nur von einem falschen Demokratieverständnis der EU-Verantwortlichen, sondern verrät außerdem die europäische Idee. Wenn sich die Politik in diesem Maße vom Bürger entfernt und schließlich ihn für ihren Götzendienst am Euro bezahlen lässt, ist es kein Wunder, dass sich die Menschen überall in Europa mit Grauen von der Politik abwenden.