In Griechenland müssen 2,7 Millionen Arbeitnehmer im Privatsektor 3 Millionen Rentner, 1,5 Millionen Arbeitslose und 700.000 öffentlich Bedienstete finanzieren. Das kann ja nicht gut gehen. Die öffentliche Verwaltung funktioniert kaum, neue Rentenbescheide brauchen zwischen 2 und 4 Jahren. Bis dahin bekommen die Rentner allenfalls 50 % Abschlagszahlung – bei einem durchschnittlichen Rentenanspruch von vielleicht 850 Euro im Monat. Arbeitslose bekommen nur ganz kurze Zeit Arbeitslosengeld. Aber seit fünf Jahren gibt es in Griechenland eine Massenarbeitslosigkeit mit 1,5 Millionen Arbeitslosen und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 60 %.

Griechenland hat 320 Milliarden Euro Schulden, obwohl es nach den Europäischen Verträgen nicht mehr als 108 Milliarden Euro Schulden haben dürfte. Ich halte einen Schuldenschnitt für Griechenland für unausweichlich. (Auch eine Restrukturierung/Laufzeitverlängerung/Zinsstundung ist nichts anderes als ein Schuldenschnitt, weil ja der Barwert der Schulden dabei vermindert wird.) Das Geld ist ohnehin verloren, aber wenn man einen Schuldenschnitt macht, dann muss Griechenland im Gegenzug endlich aus dem Euro ausscheiden.

Der Schuldenschnitt ist unausweichlich, weil die Schuldenlast Griechenlands schon lange nicht mehr tragfähig ist: Um von 175% auf 120% Schuldenlast herunterzukommen (immer noch doppelt so viel wie nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt maximal zulässig, also 60 %), müsste Griechenland rund 18 Jahre hintereinander weg jeweils einen Primärüberschuss von 4 % des BIPs erwirtschaften. Das hat kein europäisches Land jemals geschafft. Es wird schon gar nicht möglich sein in einer Eurozone, die möglicherweise auf Jahre am Rande von Deflation und Stagnation steht.

Wenn Griechenland einen Schuldenschnitt erhält, der das Land wieder auf die Beine kommen lässt, muss die griechische Schuldenquote zumindest auf etwas unter 100 % gesenkt werden. Das entspräche einem Schuldenerlass von rund 150 Milliarden Euro. Deutschland würde davon vermutlich rund 30 % zu tragen haben, also 45 Milliarden Euro. Das ist eine teure Strafe für den Bruch der Nichtbeistandsklausel, den Frau Merkel uns eingebrockt hat.

Im Jahre 2010 wäre uns ein Staatsbankrott Griechenlands viel billiger gekommen, weil das Ausmaß der Verschuldung viel geringer war und der Bankrott zunächst fast ausschließlich Privatgläubiger getroffen hätte. Nur nachrangig wäre der Staat durch Stützungsmaßnahmen für Finanzinstitute gefordert gewesen.

Aber die Fehler der Vergangenheit kann man nicht ungeschehen machen. Auch der jetzige, teure Schuldenschnitt ist de facto nicht mehr abzuwenden, denn das Geld ist de facto schon weg.

Griechenland kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Wir müssen das jetzt realisieren wie jeder ehrliche Kaufmann das tun würde und die Forderungen als verloren abschreiben.