Tspiras‘ Hinwendung nach Moskau ist offenbar eine Verzweiflungstat. Er weiß, dass Griechenland die Erwartungen der Eurozone nicht erfüllen kann. Seine Drohung, zum Verbündeten Putins zu werden, könnte dazu führen, dass die Eurozone erneut nachgibt und Griechenland noch mehr Zeit und Geld gewährt. Damit wäre zwar die Staatspleite vorerst abgewendet, aber die wirtschaftliche Misere Griechenlands würde fortdauern.  Genau das könnte sogar im Interesse der Bundeskanzlerin sein, die fürchten muss, dass ein Griechenland, was aus dem Euro ausscheidet, wirtschaftlich schnell gesundet und damit andere Krisenstaaten der Eurozone über einen Austritt nachdenken lässt. Würde hingegen die Eurozone Griechenland wider Erwarten neue Hilfen verweigern, hat Tsipras Liebäugeln mit Moskau noch einen anderen Adressaten: Obama. Eine mögliche Hinwendung des Nato-Mitglieds Griechenland nach Russland könnte die Amerikaner zu einer Finanzhilfe an Griechenland veranlassen.