Mein Beitrag im Focus zum VW-Skandal: Wenn VW wegen des Skandals der manipulierten Messungen der Abgaswerte insolvent werden würde, so wären ein halbe Million Arbeitsplätze akut bedroht. Hinzu kommt der Verlust an Wertschöpfung, den VW und seine Zulieferbetriebe leisten: Rund 35 Milliarden Euro oder 7 Prozent der Wertschöpfung des gesamten Verarbeitenden Gewerbes. Ein solcher Verlust an Wertschöpfung überschreitet bei weitem das, was in schweren Rezessionen üblich ist.

In Deutschland hat der Staat bei geringeren Anlässen eingegriffen und Unternehmen vor dem Bankrott gerettet. Man denke an die Bauunternehmung Philipp Holzmann, die 1999 von Bundeskanzler Schröder vermeintlich gerettet wurde. Verglichen mit VW war die Holzmann AG mit ihren seinerzeit 28.000 Beschäftigten wirtschaftlich ein Zwerg. Zudem war Holzmann marode und nicht sanierungsfähig, sodass das Unternehmen 2002 dennoch in die Insolvenz gehen musste.

VW aber ist ein gesundes, leistungsfähiges Unternehmen. Die besondere Tragik besteht darin, dass das Fehlverhalten einiger Personen ein solches Unternehmen in seiner Existenz bedrohen könnte. Dass alle Mitarbeiter und alle Beschäftigten bei den VW-Zulieferern unverschuldet mitgerissen werden könnten.

In einer solchen Situation stünde außer Frage, dass der Staat alles tun wird, um einen Zusammenbruch des Konzerns zu verhindern. Die Bundesregierung würde nicht müde werden, auf die guten Gründe zu verweisen, die für eine Rettung des Konzerns sprächen: die Sicherung einer halben Million Arbeitsplätze, die Abwehr eines konjunkturellen Einbruchs, die guten wirtschaftlichen Perspektiven eines Unternehmens, das nicht wegen schlechter Produkte sondern wegen gravierenden Fehlverhaltens einiger Führungskräfte in die Krise geraten ist.

Die Sache hat nur einen Haken: Die Zeche zahlt der Steuerzahler.

Man kann diesem Lebensrisiko begegnen wie auch Menschen einem Lebensrisiko begegnen: Mit einer Versicherung. Konkret: Eine Art Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Der Clou ist: Es wird nicht einfach nach dem Geld des Steuerzahlers gegriffen. „Too big to fail“ wird kein Argument mehr sein, um Zahlungen des Staates zu erpressen. Zahlen tun die, die derselben Gefahr ausgesetzt waren, die denselben Versicherungsschutz genossen haben, aber denen das Schicksal gewogener war. Das ist das Prinzip einer Versicherung.

Der Beitrag auf focus.de am 15.9.2015