Die AfD macht in Thüringen massiv Stimmung gegen einen Moscheebau in Erfurt. Das verstärkt die Polarisierung in der Bevölkerung, entfremdet uns moderate Muslime und ist Wasser auf die Mühlen des radikalen Islam.

Jede Religionsgemeinschaft hat das Recht, sich ein Gotteshaus zu errichten und in diesem friedlich Gottesdienste zu feiern. Das gilt für Muslime genauso wie für Juden und Christen. Wenn wir Deutschland als freiheitliches und tolerantes Land erhalten wollen, dürfen wir nicht zulassen, dass einzelne Religionsgemeinschaften drangsaliert oder diskriminiert werden.

Ich bin kein Muslim und ich lebe nicht in Erfurt. Ich habe kein Interesse daran, dass in Erfurt eine Moschee gebaut wird. Aber ich habe ein Interesse daran, dass jeder Muslim, der friedlich in unserem Land lebt und seine Gesetze achtet, seinen Glauben frei praktizieren kann. Wir wollen, dass der Staat eine klarere Haltung im Umgang mit radikalen islamischen Gruppierungen vertritt und beispielsweise auch Salafisten ohne deutschen Pass ausweist. Das Verhältnis zu allen anderen Muslimen muss aber von Toleranz und Integrationsbemühungen geprägt sein.

Das Grundgesetz gewährt die Freiheit des Glaubens und die ungestörte Religionsausübung. Wer verhindert, dass Gläubige sich in Gotteshäusern friedlich zu Predigt und Gebet versammeln können, verletzt die Religionsfreiheit und damit eine der großen Errungenschaften unseres Landes.

Deshalb werde ich mich am Mittwoch in Erfurt mit Vertretern der betroffenen Gemeinde treffen. Und ich werde keinen Zweifel daran lassen, dass die Rechte von Muslimen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, genausowenig beschnitten werden dürfen wie die Rechte unschuldiger Juden oder Christen.